Dieses Wochenende wollte ich mal richtigen Winter und einen Ort erleben an dem Alkohol sogar noch mehr kostet als in London. Wo geht man also hin? Richtig, Skandinavien… und da so ein RyanAir-Ausflug Flugreisen zum Spottpreis möglich macht sind drei Mitpraktikanten und ich nach Oslo gejettet. Und wie es war? Es war gut, eine Mischung aus dem üblichen Sightseeing und Stufe-9-Klassenfahrt-Herbergs-Saufen, um eine Mitreisende zu zitieren. Der größte Unterschied war wohl dass wir nicht mehr in der 9. Klasse sind und die Getränke als Sparmaßnahme im Duty Free Shop gekauft wurden. Eine Auslese der Schnappschüsse die bei der Anreise und unseren Streifzügen durch die doch recht kompakte Stadt entstanden (exzellentes Straßenbahnnetz!) folgen an dieser Stelle.
Ironischerweise fühlte sich Londen bzw. das hiesige Klima anscheinend herausgefordert. Denn wir können von Glück sagen, dass sowohl der Flieger als auch der Bus noch gut durchgekommen sind. Schon auf der Rückfahrt wurden wir von Schneefall begrüßt.
Am nächsten Morgen ließ mich die Radioansage recht flott wach werden. Obwohl noch etwas verplant – denn ich war zum Teil in Klamotten vom Vortag eingepennt - holte ich mir erst am Fenster (Jap, dichte weiße Pracht), dann online die Bestätigung dass alle (!) städtischen Busse in den Depots geblieben sind.
Zugverbindungen waren ähnlich stark betroffen, auch die U-Bahn lag teilweise flach und was noch lief musste so ziemlich den gesamten Nahverkehr alleine schultern. Das Mittel der Wahl für alle die sich furchtlos in den sibirischen Sturm trauten war dann doch der bescheidene Fußmarsch. Ich weiß nun dass ich ungefähr 25min bis zur U-Bahn Station brauche . Unterwegs beteiligte ich mich an der allgemeinen Fotosafari.
Da man sowieso davon ausgehen konnte das jeder zu spät kommen würde, sofern er überhaupt die Wohnung verlassen hatte, war es eher ein Abenteuer als das es Stress bedeutete. Zu meiner Überraschung kam ich lediglich 20min zu spät, zeitgleich mit der Chefin. Im Büro bot sich ein ähnlich unterbesetzter Eindruck wie während der Weihnachtszeit. Lediglich die Ecke der Kampagnen-Manager war fast vollständig angetreten, während am anderen Ende des Büros gähnende Leere herrschte. Interessanterweise schien Nationalität entscheident zu sein. Während sich von den deutschen Mitarbeitern und Praktikanten die meisten durchgeschlagen hatten war von on den Briten fast keiner vor die Haustür getreten. Auch wenn für London beachtliche 15cm bis 20cm in einer Nacht gefallen sind, und dies der heftigste Wintereinbruch seit 18, 13, 7 bzw. 3 Jahren war (je nachdem welcher Quelle man vertraut), so möchte man meinen dass die Engländer dann doch ein wenig überreagiert hatten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Londoner Nahverkehrs keinen Linienbus fahren lassen und 2Mio Menschen die zwei Tage in den Urlaub gegangen sind, all das wegen den paar Flocken. Die Jungs sind’s einfach nicht gewohnt . Schon habe ich heute gehört dass sich das Wetter nach anfänglich prognostizierter Normalisierung am Wochenende doch wieder winterlicher gestalten soll – und nach den paar Tagen Schnee ist bereits das Streusalz knapp geworden!