- Von der Abschaffung der Flatrate-Partys durch die Spaßbremsen einer unspektakulären Regierung -
Alkohol ist eines der wichtigsten Konsumgüter unserer Zeit. Gerade wir Deutschen sind eine trinkfreudige Kultur, so haben wir im Jahr 2004 sage und schreibe 51,8 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt und sind im Moment an Platz 2 der Rangliste des europäischen Pro-Kopf-Verbrauches mit 115,8 Litern pro Kopf. Auch nutzen wir unser Bier neben den Lederhosen als eines der Top-Export Produkte und outsourcen den Germanismus in deutschgeile Regionen wie Japan oder die USA. Ebenso sind wir Deutschen im Vergleich zum ach-so-modernem angloamerikanischen Ausland sehr lässig, wenn es um das Mindestalter für die Abgabe von Bier geht. Mit 16 Jahren kann jeder Jungspund sich für 10€ einen Kasten einer mehr oder weniger schmackhaften Bieres kaufen ohne auch nur befürchten zu müssen es würden ihm irgendwelche Restriktionen einholen.
Großbritannien zum Beispiel ist bei der Abgabe von alkoholischen Getränken wesentlich strenger. So muss man hier 18 Jahre alt sein und kann nur darauf wetten, dass einen der Bartender nach einem „Picture ID“ fragt. Ebenso kommt es häufiger zu Kontrollen des jeweiligen Police Departments, sodass die Regeln nicht eine grobe Richtlinie sondern ein striktes Gesetz sind welches bei Missachtung sehr schnell mit hohen Geldstrafen sanktioniert wird.
Nachdem die deutschen Bürger sich vom Schock des Acrylamids in Pommes und den hoheitlichen Schwierigkeiten des Eisbären Knut erholt hatten, musste die provinzielle Harmonie des nachmittäglichen Zoo-Fernsehens durch eine stammtischfähige Diskussion ersetzt werden. Der Bürger soll ja nicht von Politik ausgeschlossen werden. Nachdem sich ein junger Herr mit mehreren Tequilas eine dermaßen Alkoholintoxikation einholte, dass Gevatter Tod ihn holen musste kam es zum Aufwachen der sedierten Regierung. Ein Verbot von Flatrate Partys muss her! Niemand wusste ob oder wann oder wie oder überhaupt dieses Verbot diskutiert wurde, jedoch machte kein privater Kanal davor halt in den Nachrichten, die den Bürger möglichst schonend und ohne ihn aus der Ruhe zu bringen, über den Fall des jungen Herren zu berichten und die Flatrate Partys als Orte des Übels abzustempeln. Die Counterstrike-Spieler werden sich freuen! Endlich sind sie nicht mehr das Opfer der Mediendiskussion und sie nicht mehr diejenigen, die aktiv an der Verwahrlosung unserer Jugend teilnehmen und aus virtuellen Terroristencamps Amokläufer ausbilden. Die reale Sig Sauer P228 läßt sich ja ähnlich schießen wie in Counterstrike, richtig? Der Kneipier, dessen Idee es war die ursprünglich private Idee auf Geburtstagsfeiern in das Abendprogramm zu integrieren sollte sich besser nicht zu Wort melden, nachher ist er die Zielscheibe zahlreicher RTL2 Reporter. Aber eine relativ geschickte Idee ist es schon, ein All-you-can-drink zu Veranstalten oder?
Warum unterliegen Chinarestaurants nicht einer solchen Diskussion oder Kontrolle? Ich meine es ist doch sicherlich möglich sich in kritische Extasen zu essen und an einer Überdosis Nasi Goreng zu sterben oder? Da die Zeitungen immer mehr über die Einführung von Schwerlast-Rettungswagen für schwere Patienten berichten glaube ich dass die China-Restaurants mit 12€ Mittagsbuffet für diese negative Entwicklung verantwortlich sind. Auch das regelmäßige chinesische Essen zählt mittlerweile zu den Top-Export Artikeln von China und zählt als wichtiges Kulturgut in den fabelhaften Familien. Mein Vergleich ist sicherlich nicht wirklich Relevant und nur als Stilmittel zur humoristischen Auflockerung brauchbar, auf das Sie wahrscheinlich alle reingefallen sind aber es zeigt vor allem eins: Alles was schockiert und für den Verfall unserer Jugend sorgt ist populärer als Eisbär Knut. Ich bin jetzt mal hart aber herzlich: Der junge Herr, der sich mit einer zweistelligen Anzahl von Tequilas in den Tod trank dachte einfach nicht nach. Wieso ist die eigentlich nicht vorhandene Geld-Hemmschwelle für den Tod verantwortlich? Wer nahm letztendlich das Glas in die Hand und trank? Genau, nämlich der Junge selbst und wieso durfte er Tequilas trinken? Weil es die Türsteher und das Personal versäumt hatten, seinen Ausweis entsprechend zu prüfen.
Ich habe persönlich nichts gegen Türsteher, aber ich habe etwas gegen die Auswahlpolitik die durch die Türsteher betrieben wird. Der Gedanke dass die Kleidung, das Aussehen, das Geschlecht oder teilweise die Nationalität (Vgl.Brösels) darüber entscheiden, ob jemand hinzugehört oder nicht ist einfach primitiv. In den meisten fällen steckt hinter den feinen aber günstigen Takko-Modemarkt-Jackets, den Armani Shirts und den Irokesen Schnitt stilistisch unterstützt durch ein Sonnenbankgebräuntes Gesicht ein individueller Charakter, der genauso Arschloch sein kann wie jemand der sich nicht so kleidet. Eine Vorauswahl anhand von solchen oberflächlichen Merkmalen zu treffen und binnen 5sek zu wissen:“Der passt!“ ist nicht nur vom trivialwissenschaftlichem Standpunkt aus idiotisch.
Leider sind die Türsteher mit den idiotischen Auswahlverfahren so dermaßen beschäftigt, dass sie eine essentielle Aufgabe vergessen: Ausweiskontrolle! Wenn konsequent kontrolliert wird, kommen nur Leute mit entsprechendem Alter in diese Locations und man kann dann zumindest im Grundgedanken davon ausgehen dass diese Leute alt genug sind um sich so dermaßen zu intoxieren dass sie klinischer Behandlung bedürfen. Hier sagt keiner etwas. Natürlich…es sind ja auch „Erwachsene“.
Die Hemmschwelle des Geldes ist genau solch ein luftiges Argument wie der fehlende Geschmack des Alkohols beim Alkopop-Getränk. Ob der schlaue Jugendliche mal auf die Idee gekommen ist normale Limonade mit Spirituosen zu mischen um das Getränk erträglicher zu machen? Wahrscheinlich nicht, er ist ja auch dumm genug sich ins Koma zu saufen weil keine Geld-Hemmschwelle da war. Ich stelle hier mal eine Interessante Frage: Ist es möglich sich mit 10€ krankenhausreif zu saufen? Natürlich…sowohl mit Bier als auch mit Spiritousen schaffe ich es locker mich Behandlungsreif zu saufen. Es gibt genügend Vodkas unter 5€, mit einem Alkoholgehalt von 40%. Nicht glaubwürdig? Dann rechnen Sie es mit einem Online Promillerechner aus!
Bei 1,80m Körpergröße und 80kg Gewicht trinkt der Normdeutsche den Inhalt zweier 700ml Flaschen Vodka aus, die man für 10€ kriegen würde. Das Ergebnis bei ¾ vollem Magen wäre eine letale Alkoholdosis von mehr als 4 Promille, die mich auch auf eine Intensivstation und zum Bestatter bringen würde.
Nun frage ich mich ernsthaft, ob diese Peakwert-Gesetzesgebung die nur dann wie einst Batman und Robin in Aktion tritt, wenn sich irgendein schutzbedürftiger Patron selbst tötet, sich nun nicht versucht aus der unspektulären Spirale der großen Koalition herauszubefördern. Ist in diesem Fall der Bund überhaupt zuständig? Dies konnte kein lokales Bauernblatt mir bis jetzt beantworten. Anstatt irgendwelche dubiosen Experten der Universität zu Köln für die zwei Sätze, die in der direkten Rede zitiert werden heranzuholen sollte man lieber mal etwas Staatsbürgerkunde betreiben.
Für mich ist die Frage, ob die Umgehung der Flatrate-Party nicht relativ einfach ist. Würde die Legislative fordern, dass Pauschalpreise verboten sind so könnten die Veranstaltung die Getränkepreise auf 10Cent pro Tequila reduzieren und einen ungleich niedrigeren Eintrittspreis zahlen. Der Spaßfaktor wäre der gleiche, und alles andere wäre eine Verordnung über Mindestpreise von Alkoholika und das wäre nur ein kleiner Schritt entfernt von Prohibition. Wieso muss die Politik alles was Spaß macht, eigentlich legal ist und der eigenen menschlichen Vernunft unterliegt, für die Philosophen wie Kant lange kämpfen und diskutieren mussten, gesetzlichen Restriktionen unterwerfen?
Ich muss die Stirn runzeln, wenn mir von staatlicher Seite her untersagt wird mich zu betrinken wie ich will. Ich bin kein verdammter Alkoholiker und ich habe noch nie soviel Tequila getrunken dass ich bewusstlos war. Ich brauche Alkohol nicht, es ist ein Genussmittel für mich und seit mehr als 5000 Jahren betrinken sich Menschen bei größeren Events um Spaß zu haben und von der anheiternden Wirkung zu profitieren. Wieso muss ich mir als fast 21 jähriger Staatsbürger eine solche Bevormundung antun, die nur daraus resultiert das 200cm Fleischberge zu dumm sind, Ausweise zu kontrollieren und einige Jungspunde nicht die Grenzen des Konsums kennen? Ich verrate den besorgten Eltern mal was: Eure Kinder kommen so oder so an Alkohol, ob sie nun jemanden vorschicken oder nicht. Insofern sind alle Restriktionen über Alkoholverkauf fragwürdig und unterliegen einer generellen Diskussion, aber anstatt zu versuchen die Veranstalter gezielt unter Druck zu setzen nur Gäste des richtigen Alters einzulassen, wird eine Generation von Adoleszenten zu Lidl stürmen und für 10€ ihre private Flatrate Party gestalten. Das ist für mich eine Form des Verkommens!
Stephan
["If liberty means anything at all it means the right to tell people what they do not want to hear!"]