Es wurde aber auch langsam Zeit! Jetzt habe ich sie gefunden, denn das Elitestudium ruht gerade und ich genieße meine erste vorlesungsfreie Zeit. Und fontysfreie Zeit ist Philosophie - Zeit, voll kritischer Selbstreflektion und standhaften Blick in die Zukunft und bla blaaaa bla balla bla bla baaa!
Auf den Punkt gebracht: Was habe ich bereits erreicht, was steht noch unabgehackt auf der studentischen “to do Liste”?
Haare “Check”
Ganz hoch, bzw. lang auf der Studentenskala. So lang waren meine Haare seid dem
Fall der Mauer nicht
! Die mähnengleiche Haarpracht wird eifrig kultiviert um
das unbedingt notwendige “intellektuell/gerade erst aus’m Bett aufgestanden” Aussehen zu erreichen.
Zimmer “Check”
Hat schon mal bessere Zeiten erlebt. Noch nicht zurückgebrachte Bierpfandflaschen die zwischen halb auseinander gebauten (und leider auch halbfunktionierenden) Rechnern stehen. Irgendwo dazwischen ein paar Bücher, hier und da auch mal ein Ordner oder Blatt mit Arbeitsnotizen.
Naja, was soll ich sagen? Man muss Prioritäten setzen… und das enge Korsett der Normsüchtigen macht’s auch nicht einfacher. Es würde mir erheblich leichter fallen die Zeit zum Staubsaugen zu finden wenn meine Eltern wieder in den Urlaub fahren würden. Zwei Uhr morgens klappt stumpfe Hausarbeit erstaunlich gut.
Welt verbessern “Check ausradiert”
…mit Linux, besser gesagt Suse 10.1. Der aufmerksame Leser wird bereits eine Verbindung zu den aufgeschraubten Rechners vermuten. Nach vielen unerfindlichen Systemabstürzen mit Windows habe ich geschworen es mal “alternativ” zu probieren. Sollte man auch sein, als Student… zumindest wenn man keiner Burschenschaft angehört.
Leider wurde ich nach zwei Wochen Kampf mit der Erkenntnis zurückgelassen, dass Linux sozialistisch ist. Im Prinzip eine gute Idee, die aber für mich nicht funktioniert. Zumindest nicht wenn der Rechner was Aufhängen anbelangt bereits Windows Konkurrenz macht, Befehle teilweise mit mehreren Minuten Verzögerung ausgeführt werden und die gut gemeinte, aber schlampig umgesetzte grafische Benutzeroberfläche Yast2 (nach Microsoft Maßstäben ein Mischmasch aus Arbeitsplatz und Systemeinstellungen) neben eben beklagter Langsamkeit noch unberechenbar daherkommt. Einmal kann es die OS DVD einlesen, einmal nicht.
Es war zum schreien und hat mich letztendlich zum kleineren Übel Windows zurückgetrieben. Ich habe einfach besseres zu tun als zwei Wochen zu gucken wieso mein Scanner nur unter root (Administrator) arbeitet, dann allerdings mit lila Stich und verzogen oder wieso mein Drucker sich nicht mit Standart Linux Treibern betreiben lässt, sondern nur mit einem kommerziellen Treiber, der mir bei jedem Ausdruck ein nettes “Wenn Sie die Softwarelizenz erwerben, verschwindet dieses Emblem” nachschickt.
Party zu den besten Zeiten “Check”
Ich gewöhne mich an Studentenfeten unter der Woche. An Montagen eher unspektakulär, da Dienstag für mich immer frei ist. Aber die “After Intro Party”, ein geselliges Beisammenkommen der Überlebenden der Einführungswoche, fand an einem Donnerstag Abend statt. Die Venloer Altstadt hat da bei mir auf jedenfall gepunktet. Viele Kneipen, gute Atmosphäre, und das alles in Übersichtlichen Dimensionen. Und das durchaus schmackhafte einheimische Bier kam auch noch in studentenfreundlichen Preisen.
In solchen Fällen bemühe ich mich dann auch am Freitag morgen um 8:45Uhr den Anschein zu erwecken als ob nichts gewesen wäre, aber meine Augenringe schaffen’s immer wieder diese Fassade zum bröckeln zu bringen.
Neuer Schlaf- und Arbeitsrhythmus “Check verschlafen”
Neu ist leider nicht immer besser, aber flexible Arbeitszeiten bereiten einen wohl auf den hart umkämpften Arbeitsmarkt vor. Wer meinen Stundenplan sieht denkt sich schnell “Ist ja larri farri, da hatte ich in der Oberstufe ja fast doppelt so viel!”.
Naja, schön wär’s, im Kleingedrucktes steht “am besten in jeder freien Minute vertiefendes Selbststudium betrieben”. Zwar bin ich noch nicht über den Büchern eingeschlafen wie im Film, aber an einigen Tagen bin ich nicht weit davon entfernt.
Pendeln “check”
Zu Hause ist eben doch billiger, in diesem Fall sogar für meine Eltern. Und weil studieren im Ausland nicht nur gut klingt, sondern für mich auch näher liegt als die meisten deutschen Universitäten und Fachhochschulen pendele ich jeden morgen eine gute halbe Stunde.
Sogar in einer Fahrgemeinschaft, denn eine Kommilitonin wohnt sogar in derselben Weltstadt Schwalmtal, wie ich. Würden alle Leute die sich eingeschrieben haben auch kommen wären es sogar Vier. Was nicht ist kann ja noch werden.
Nach den 30 Minuten Anfahrt sind jedoch, außer der Tag beginnt zur ersten Stunde, stets gute fünf Minuten Parkplatzsuche dazuzukalkulieren. Dimension und Fülle sind da durchaus mit einem Real Parkplatz zu vergleichen, allerdings ohne die Tausend Parkplätze welche in einiger Entfernung zu finden sind und die die meisten Kunden aus Bequemlichkeit ignorieren. Hier ist also Studenten im ersten Gang hinterher schleichen oder das Parken beim nahe gelegenen Friedhof angesagt. Reißen alle Stränge muss es der Grünstreifen vor der Fachhochschule sein. Noch wurde dort kein Auto abgeschleppt.
Mensa “check gekauft”
Für 1,50EUR speisen wie die Könige, das ist nicht drin. Natürlich kann man sich darüber streiten in wie fern es sich in einer Massenmensa wie die der Uni Köln um kulinarische Hochgenüsse handelt, aber dafür kann man sich sicher sein von was auch immer man bestellt eine Portion in Hauptmahlzeitengröße zu erhalten.
Die FIHE Realität sieht folgendermaßen aus: Brötchen, Salate, Pipapo verpackt vom Catering Service. Wer was warmes möchte wählt zwischen zwei Suppen oder dem Suppenautomaten. Wer etwas festeres warmes haben möchte kauft sich eine undefinierbare Pikantje oder Frikandel die äußerlich nach einer Kreuzung aus Wurst und Krokette aussieht, innen irgendwie nach Leberwurst. Schmecken tut es sowieso ganz anders und keiner weiß so recht was drinnen steckt.
Alles in allem bietet die Mensa den Reiz des exotischen. In den Niederlanden heißt das: wir
frittieren die unmöglichsten Dinge und bieten dir dazu “hagelslag”, also Sträusel, an.
In der Getränkeabteilung gibt’s auch Doctor Pepper, was ich zu würdigen weiß da es kaum in Deutschland zu haben ist. Minuspunkte gibt’s direkt dafür das viele der Sodas light Produkte sind. Alles in allem eigentlich gar nicht so übel, aber da es sich hier nicht um staatlich subventioniertes Essen handelt sind es eben doch Raststättenpreise.
Was die Kommunikation angeht so ist das kein Problem. Das Personal ist durchweg zweisprachig, vielleicht von den Putzfrauen abgesehen. Nur bei den Schildern über der Essensauslage, da war ein Wille da, doch war er eher lasch. Die deutschen Übersetzungen sind, vorsichtig ausgedrückt, durchweg eigenwillig ausgefallen. Tee ist nicht so wichtig wie Kaffee, wird demzufolge klein geschrieben, es gibt “heiße Schockola” und Proef wird mit “taste” (?!) übersetzt, wobei ich weder das niederländische Wort noch den Gedanken hinter der englischen Übersetzung verstehe.
Insgesamt recht abenteuerlich, aber wenn man seinen Abschluss an einer Schule gemacht hat in der “Caféteria” ein Ort ist in dem man zwischen “Vanille”, “Kakao” und “Milch” wählen kann, dann ist so eine Mensa eh das tollste der Welt.
Baulärm “check überhört”
…gehört dazu. Zwar wurde jedem von uns erzählt, dass die Maschinen alle weg sind bis wir unser Studium beginnen, doch das hat doch mehr oder weniger als dreiste Lüge herausgestellt.
Trotzdem geht es wenigstens sichtbar aufwärts. Wo früher ein Seiteneingang im Stil einer Behörde oder einer weiterführende Schule war, wurde endlich ein paar Meter weiter eine “repräsentative Lobby” mit überempfindlicher Drehtür, die in überraschender Regelmäßigkeit die Horden von Studenten und Dozenten aufhält, eingerichtet. Entweder das oder der Sicherheitsdienst macht sich ein Spaß draus den Nothalte - Knopf zu drücken (falls es so etwas gibt). Man ist dazu übergegangen die in der Drehtür auszustellen in stattdessen die darin integrierte Tür offen zu lassen.
Ansonsten sorgt der Umbau für das Salz in der Studentensuppe. Fontys ist an sich schon für eine gewisse Dosis Chaos, oder engagierter ausgedrückt “Dynamik” bekannt, aber der Umbau, welcher gut die Hälfte des Campus betrifft, setzt dem ganzen das I-Tüpfelchen auf.
Wenn man beispielsweise einmal um einen Gebäudeflügel laufen muss, weil man zuvor von Bauarbeitern nicht durchgelassen wurde, und weil alle anderen Seiteneingänge verschlossen sind, man drei mal vor dem Fenster der Marketingklasse entlangläuft (freundlich winkend natürlich), dann denkt man sich schon: “Das ist doch bestimmt einer der Moment über die man später, wie es so schön heißt, lachen wird…. oder?”.
Ansonsten gewöhnt man sich ja an vieles. Auch an Bohrgeräusche während der Vorlesungen das einem ganz Bange wird, weil man fürchtet gleich stürzt eine tragende Wand ein. Prinzipiell stehen jede Woche Wände wo vorher keine Waren bzw. anders herum. Da ist schon Gehirnjogging beim betreten des Gebäudes gefordert.
Nun ja Leude, was einen nicht umbringt, mach nur stärker. Und auch wenn es hart ist macht das Studium “fontyastischen” Spaß. Na wenn das Unwort mir mal nicht ein Defizit in Marketing einbringt…
Daniel